Libati – die App für chronisch Kranke

Hallo Katrin, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst ! Bitte stelle uns zu Beginn Dich und Dein Team bei Libati kurz vor:

Ich bin Katrin, CEO bei Libati und hatte während meines Masters in International Business an der Uni Erlangen-Nürnberg zusammen mit Doro die Idee für Libati. Ich bin quasi der BWL-Teil des Teams und kümmere mich um alles Mögliche von Papierkram bis Marketing. Doro, unsere COO, hat einen Bachelor in Maschinenbau in der Tasche und macht gerade ihr Staatsexamen in Zahnmedizin. Sie bringt das medizinische Wissen mit ins Team. Nikhil, unser Designer, hat Produktdesign studiert und arbeitet mittlerweile als UX Designer. Er sorgt dafür, dass unsere App und Website stets schön aussehen und nutzerfreundlich sind. Und dann haben wir noch unsere zwei Entwickler Ben und Geo. Ben, unser jüngstes Team Mitglied, ist erst 18 Jahre als und studiert Wirtschaftsinformatik an einer Fernuni. Er ist vor allem für das Frontend zuständig. Und Geo, unser Backend-Entwickler, hat Informatik studiert und arbeitet jetzt Vollzeit in einem Startup.

Vielleicht möchtest Du uns Euer Startup, ganz zu Beginn unseres Interviews, kurz vorstellen ?

Mit Libati möchten wir chronisch kranken Menschen das Reisen bzw. Unterwegs sein erleichtern. Wir haben eine community-basierte App entwickelt, mit der chronisch Kranke und Menschen mit körperlicher Behinderung neue Orte entdecken können, passend zu ihren individuellen Bedürfnissen.

Zunächst registriert sich der Nutzer und vervollständigt sein Profil. Dabei ist es vor allem wichtig, dass er nicht nur die Krankheit(en) auswählt, von der/denen er betroffen ist, sondern auch die individuellen Triggerfaktoren bzw. Präferenzen. Je nach Krankheit wird der Nutzer durch eine Reihe von Screens geführt, die mögliche Präferenzen passend zur jeweiligen Krankheit abfragt.

Wenn der Nutzer all diese Angaben gemacht hat, landet er auf einer Karte, auf der ihm die verschiedenen Orte in seiner Nähe angezeigt werden- markiert in den Ampelfarben rot, grün und gelb. Ein rot markierter Ort zeigt an, dass basierend auf den Bewertungen der anderen Nutzer diese Location mit hoher Wahrscheinlichkeit die Symptome der Krankheit triggern könnte/ nicht den eigenen Präferenzen entspricht. Orange markierte Orte haben bezüglich der ausgewählten Trigger mittelmäßige Bewertungen bekommen und ein grün markierter Ort sollte zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit für den jeweiligen Nutzer geeignet sein.

Welches Problem wollt Ihr mit Libati lösen ?

Laut des Instituts für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität in Frankfurt leidet allein in Deutschland heutzutage ungefähr jeder Zweite unter mindestens einer chronischen Krankheit. Auch wenn nicht jeder Betroffene stark im Alltag durch seine Krankheit eingeschränkt ist, waren die Ergebnisse unserer durchgeführten Interviews eindeutig, da die Befragten uns immer wieder ein ähnliches Problem in ihrem Alltag schilderten: Für chronisch Kranke ist es sehr aufwendig, spontan mit Freunden in ein Restaurant, eine Bar, ein Café o.ä. zu gehen, in dem sie noch nie waren. Ähnlich sieht es aus mit Besuchen in Hotels, AirBnBs oder Ferienwohnungen. Zu viele Informationen über die Locations fehlen im Vorhinein. Wenn jemand z.B. unter Asthma leidet, muss die Person vorher herausfinden, ob er/sie Treppen steigen muss, ob es Parkplätze in der Nähe gibt, ob es einen Aufzug gibt etc. Natürlich könnte man diese Informationen im Vorhinein durch umfangreiches Recherchieren und Telefonieren herausfinden. Allerdings ist dies sehr aufwendig und Spontanität ist somit nicht mehr möglich, was den Betroffenen ein Stück ihrer Lebensfreude nimmt. Deshalb haben viele chronisch Kranke uns erzählt, dass sie mittlerweile „aufgegeben“ haben, weil sie mit gesunden Freunden und Familienmitgliedern nicht mehr mithalten können und oft Unternehmungen abbrechen, oder sogar schon im Vorhinein absagen müssen. Unser Gründerteam hat selbst Familienmitglieder und Freunde im eigenen Umkreis, die betroffen sind. Wir sehen ein großes gesellschaftliches Problem darin, dass es für gesunde Menschen heute drei Klicks auf Google Maps benötigt, um zu entscheiden, welches Café als nächstes besucht wird – während chronisch Kranke sich zwischen einem großen Rechercheaufwand und dem zu Hause bleiben entscheiden müssen.

Mit unserer digitalen Lösung Libati möchten wir dafür sorgen, dass chronisch Kranke mehr in die Gesellschaft inkludiert werden und ihre Freizeit bzw. Freiheit genießen können.

Wie ist die Idee zu Libati entstanden ?

Die Idee, bzw. das Bewusstsein über das Problem ist dadurch entstanden, dass wir selbst im familiären Umfeld Menschen haben, die von unterschiedlichen Krankheiten betroffen sind und dieses Problem geschildert hatten. Die Idee für die eigentliche Lösung ist dann in einem zweisemestrigen Startup Programm der Universität Erlangen-Nürnberg entstanden, in dem die beiden die Idee bis hin zum Business Model inklusive Prototypen weiterentwickelt hatten.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Libati erklären ?

Die App Libati können chronisch kranke Menschen auf Ihr Handy herunterladen und damit Orte wie Restaurants, Hotels usw. finden, die zu ihren eigenen, individuellen Bedürfnissen passen. Wir wollen damit erreichen, dass diese Menschen den Aufenthalt vorher gut planen können und anschließend keine bösen Überraschungen vor Ort erleben, weil vielleicht manche Gegebenheiten anders sind, als erwartet. Wenn jemand z.B. Probleme mit der Atmung hat, kann er/sie wahrscheinlich nicht viele Treppenstufen hochlaufen und braucht einen Aufzug. Solche Informationen können die Nutzer dann auf Ihren Handys in unserer App sehen.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert ?

Erst wollten wir die Locations wie Restaurants etc. selbst bzw. professionell bewerten lassen. Wir haben aber schnell festgestellt, dass dies wahrscheinlich für ein Startup zu aufwendig, langwierig und teuer sein wird. Auf der anderen Seite haben wir auch festgestellt, dass es eine sehr starke Community von chronisch Kranken und deren Angehörigen gibt, die sich auch auf anderen Social Media Plattformen täglich viele Ratschläge geben und auf die Meinungen der anderen hören – deshalb sind wir letztendlich auf die Idee gekommen, Orte von der Community bewerten zu lassen, denn die Betroffenen wissen selbst am besten, worauf sie Wert legen.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell ?

Monetarisieren möchten wir unsere App nicht über die Nutzer, für diese soll die App kostenlos sein. Um mit Libati Geld zu verdienen, möchten wir uns auf den Aufbau von B2B Beziehungen mit Hotels, Restaurants, Cafés und im Prinzip allen weiteren Locations konzentrieren, die auf Libati bewertet werden. Wir planen, für diese Locations bezahlte Business Accounts zur Verfügung zu stellen, basierend auf einer monatlichen Gebühr. Mit Hilfe dieses Accounts haben die zahlenden Locations vor allem Analyse- und Gestaltungsmöglichkeiten. Dies umfasst z.B. das Lesen und Beantworten von Nutzerbewertungen, Traffic Analyse, Hervorheben von besonders guten Bewertungen, Hinzufügen von eigenen Informationen und Fotos der Location etc. Weiterhin möchten wir Werbemöglichkeiten anbieten, im Rahmen derer unsere Kunden z.B. in der Suche hervorgehoben werden können, Rabattgutscheine anbieten oder anstehende Veranstaltungen, wie z.B. eine Neueröffnung ankündigen können.

Wie genau hat sich Libati seit der Gründung entwickelt ?

Am Anfang waren Doro und Katrin nur zu zweit – somit wäre es niemals möglich gewesen, solch eine App zu entwickeln. Nach monatelanger Suche nach den richtigen Team Mitgliedern waren wir sehr dankbar, als wir Nikhil, Ben und Geo gefunden haben. Mit diesem Team konnte es dann richtig losgehen. Mittlerweile haben wir eine erste, gut funktionierende App und ca. 300-400 Nutzer, von denen wir sehr gutes Feedback bekommen haben, um uns jetzt zu verbessern. Auch unser Netzwerk hat sich um viele tolle und wertvolle Kontakte erweitert, z.B. unser Anwalt. Jetzt sind wir dabei, uns endlich auch formell mehr zu professionalisieren.

Wie groß ist Euer Startup inzwischen ?

Wir sind noch ein relativ junges Startup mit insgesamt 5 Mitarbeitern, unser Umsatz hält sich noch in Grenzen – wir sind gerade dabei, Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen und gleichzeitig unsere Nutzerzahl zu erhöhen. Jede einzelne Bewertung, die unsere App mit Leben füllt, ist sehr wertvoll für uns. Deswegen würden wir uns total freuen, wenn ihr Leser unsere App herunterladet und Locations bewertet, die ihr kennt!

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?

In der Vergangenheit hat uns vor allem die Suche nach den richtigen Team Mitgliedern einiges an Zeit gekostet, was uns echt geärgert hat. Wir wurden 2 mal hintereinander von neuen Team Mitgliedern, von denen wir wirklich dachten, sie würden gut ins Team passen, nach kurzer Zeit total im Stich gelassen. Und das, nachdem wir sie gerade im Bereich Software Entwicklung eingearbeitet hatten. Das hat uns sehr geärgert, weil wir in der Zeit so viel anderes hätten schaffen können.

Was habt Ihr daraus gelernt ?

Dass man bei der Wahl des Teams wirklich vorsichtig sein sollte und lieber zwei Gespräche zu viel, als zu wenig führen sollte. Wir waren da einfach zu naiv – das Team ist Gold wert! Kein Wunder, dass man sagt, dass Investoren vor allem in der frühen Phase fast mehr ins Team, als in die Idee investieren.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht ?

Wir hatten ja am Anfang das Glück, zwei Semester an einem Programm für gründungsinteressierte Student:innen teilnehmen zu dürfen. Im Rahmen dessen haben wir an sehr vielen wichtigen Workshops teilnehmen können, in denen wir auch viel über Dinge gelernt haben, die Gründer:innen gerne falsch machen: z.B. das eigene Produkt so zu lieben, dass man nicht mehr in den Vordergrund stellt, was die Zielgruppe wirklich braucht und das Kundenorientierte zu vergessen. Solche Fehler konnten wir dadurch vermeiden. Deshalb würden wir es auch allen anderen empfehlen, an Workshops/ Talks etc. zum Thema Gründung teilzunehmen – das Angebot ist groß und es lohnt sich!

Wie ist Euer Startup finanziert ?

Momentan sind wir noch hauptsächlich durch eine Crowdfunding Kampagne, die wir letztes Jahr erfolgreich abgeschlossen hatten, sowie durch ein Preisgeld von einem Wettbewerb „finanziert“, wenn man das überhaupt so nennen kann. Deshalb sind wir jetzt, wie schon erwähnt, auf der Suche nach einer geeigneten Finanzierung. Wir freuen uns über Tipps!

Was sind Eure Pläne und Ziele für die nächsten 12 Monate ?

In den nächsten 12 Monaten stehen drei Dinge ganz klar im Fokus: Finanzierung, Aufbau einer großen Community, um die App mit Leben zu füllen, sowie die technische Verbesserung der App!

Vielen Dank für das Interview.

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