KEWAZO automatisiert die Baustellenlogistik

Hallo Artem, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst! Bitte stelle uns zu Beginn Dich und Dein Team bei KEWAZO kurz vor:

Mein Name ist Artem Kuchukov, ich bin 28 Jahre alt.

Ich bin Mitgründer und Geschäftsführer von der KEWAZO GmbH. Bei KEWAZO automatisieren wir die Baubranche mit Hilfe von Robotertechnik und Datenanalyse.

Kurz zur Geschichte von KEWAZO:

Nach meinem Masterstudium im Bereich Baurobotik an der TU München habe ich zusammen mit meinen fünf Mitgründern im Jahre 2018 die Firma KEWAZO gegründet. Kennengelernt haben wir uns alle während des Think.Make.Start (TMS) Programms von der UnternehmerTUM – „von Idee zum Prototyp in zwei Wochen“. Unser Gründerteam bringt Wissen aus den Bereichen Baurobotik, Bau- und Automatisierungsingenieurwesen, Raumfahrttechnik, IT und Wirtschaft mit. Dieser solide Grundstein und die Tatsache, dass wir in kürzester Zeit gute Freunde geworden sind, ist sicher ein wichtiger Punkt warum wir mit KEWAZO so weit gekommen sind.

Vielleicht möchtest Du uns Eures Startups, ganz zu Beginn unseres Interviews, kurz vorstellen ?

KEWAZO automatisiert die Baubranche durch Robotik und Datenanalyse. Wir bieten den zum Patent angemeldeten intelligenten robotischen Lastenaufzug Liftbot an, um den autonomen Materialtransport in Industrieanlagen und auf Baustellen zu ermöglichen. Das erste Anwendungsgebiet befindet sich im Gerüstbau. Das Robotersystem ermöglicht einen flexiblen, kosteneffizienten und sicheren Transport der Gerüstteile während der Gerüstmontage.

Welches Problem wollt Ihr mit KEWAZO lösen ?

Die Gerüstbauindustrie hat derzeit schwerwiegende Probleme wie einen anhaltenden Fachkräftemangel, schlechte Sicherheit (mehr als 6000 Unfälle passieren auf Gerüsten pro Jahr in Deutschland allein) und Ineffizienz des Gerüstmontageprozesses (80% der Montagezeit wird für den Materialtransport während des Aufbaus verwendet). Eine der Hauptursachen für diese Probleme ist ineffiziente Montagelogistik.

Wie ist die Idee zu KEWAZO entstanden ?

Die Robotik und Datenanalyse werden in den kommenden Jahren wichtige Bestandteile im Bau sein. Nachdem wir eine positive Resonanz auf unsere ersten Ideen von der Industrie erhalten haben, war uns schnell klar, dass wir KEWAZO gründen möchten.

Wie würdest Du Deiner Großmutter KEWAZO erklären ?

„Wir bauen eine Maschine, die Bauarbeiter bei ihren täglichen Aufgaben hilft, und sie nicht mehr so schwer tragen müssen. Dadurch verletzten sie sich weniger und sind schneller mit ihren Aufgaben fertig.“

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert ?

Natürlich. Als wir angefangen haben, waren wir noch unerfahren und hatten eine große Vision einer vollautomatisierten Baustelle. Vor allem beim Materialtransport haben wir damit gerechnet, viel schneller einen Roboter entwickeln zu können, der neben vertikalen Bewegungen auch in der Horizontalen arbeiten kann. Als wir dann mit der Entwicklung begannen, haben wir festgestellt, dass wir unsere Vision nur durch mehrere kleine Zwischenziele erreichen können. So haben wir uns erstmal auf einen Nischenmarkt mit einem hohen Automatisierungspotential konzentriert und für einen speziellen Anwendungsfall eine vertikale Lösung geschaffen. Nach dem wir nun die Zertifizierung erhalten haben und die ersten Systeme noch in diesem Jahr verkaufen werden, wollen wir dann die nächsten Schritte gehen. Gerade in einem Hightech Bereich, in dem wir uns bewegen, sind richtiges Marketing und realistische Bewertung der eigenen Ressourcen fundamental wichtig.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell ?

Unsere Kunde sind Gerüstbau-Subunternehmen und Industriedienstleister. Mit Liftbot können diese bis zu 44% ihrer Mannstunden beim Gerüstbau sparen und gleichzeitig die Sicherheit deutlich erhöhen. Seit Juli 2019 haben wir mehrere kommerzielle Pilotprojekte in unseren drei Hauptanwendungsgebeten durchgeführt: Bauindustrie, Prozessindustrie (Öl-, Gas- und Energie-Anlagen) und Schiffbauindustrie. Als nächsten Schritt werden wir mit der ersten Kleinserie auf den Market kommen, die auf Verkauf-, Leasing- oder Mietbasis angeboten wird. Gleichzeitig werden Wartung- und Datenanalyse-Verträge abgeschlossen. Da wir fortlaufend Daten mit unserem Roboter sammeln, haben Kunden die Möglichkeit, eine detaillierte Auswertung über die Performance auf Ihrer Baustelle zu erhalten und damit mehr Transparenz in Projektmanagement zu schaffen. Dieser Bereich wird als eine klassische SaaS-Plattform angeboten.

Wie genau hat sich KEWAZO seit der Gründung entwickelt ?

Nach dem EXIST-Gründerstipendium und nach unserer Zeit im TUM-Inkubator, sitzen wir heute in unseren Büros in GATE in Garching. Seit Juli 2019 ist unser Vorseriensystem auf verschieden Baustellen bei kommerziellen Pilotprojekten im Einsatz. Vor kurzem haben wir eine CE-Zertifizierung für unsere Seriensystem Liftbot mit TÜV Süd abgeschlossen. Bis jetzt haben wir zwei Seed-Finanzierungsrunden abgeschlossen und wollen in der Zukunft weiterwachsen.

Wie groß ist Euer Startup inzwischen ?

Wir sind aktuell 21 Mitarbeiter. 16 davon arbeiten Vollzeit und 5 in Teilzeit beziehungsweise als Werkstudenten. Trotz Covid-19 planen wir dieses Jahr einige Umsätze zu generieren und sind aktuell wieder mit potenziellen Kunden auf der Baustelle.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?

Wie sagt man so schön: „Hardware is hard“ und das konnten wir am eigenen Leib erfahren. Nachdem wir schon von anderen Gründern davon gehört haben, haben wir auch gelernt, dass wenn du dich mit Hardware beschäftigst, dauern die Dinge immer länger, als man es erwartet. Vor allem, wenn man ein neues High-Tech-Produkt entwickelt und vermarktet. Nichtsdestotrotz haben uns die Erfahrungen des letzten Jahres gelehrt, in Bezug auf die Planung viel konservativer zu sein, und ich habe das Gefühl, dass wir endlich so weit sind.

Wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht ?

Wir waren immer aktiv auf der Suche nach Feedback und haben auch negative Meinungen und Ansichten nicht gescheut. Bevor wir angefangen haben, KEWAZO ernsthaft voranzutreiben, haben wir gründlich geprüft, ob für unsere Vision der richtige Markt vorhanden ist. Erst wenn man richtig die Probleme einer Industrie und des Anwenders verstanden hat, kann man auch vielversprechende Produkte und Lösungen entwickeln.

Wie ist Euer Startup finanziert ?

Bis jetzt haben wir 3,8 Mio. Euro abgeschlossen. Unsere Hauptinvestoren sind MIG AG – einer der größten deutschen VCs mit ca. 1 Mrd. Euro AUM, haben auch in BioNTech, NavVis und KONUX investiert – und Business Angel Alfred Bauer – Investor in German RepRap, Hersteller von einem 3D-Drucker. Spätestens im ersten Quartal 2021 planen wir eine Series A Runde abzuschließen.

Was sind Eure Pläne und Ziele für die nächsten 12 Monate ?

So eben haben wir erfolgreich unser Seriensystem mit TÜV Süd zertifiziert. In den nächsten Monaten werden wir mit der ersten Kleinserie für unsere Leadkunden in Deutschland auf den Markt kommen. Gleichzeitig werden wir weiterhin unsere Vision in die Richtungen alternative Anwendungen, Datenanalyse, und 2D Lösung entwickeln. 2D heißt nicht nur vertikaler, sondern auch horizontaler Transport. Die Nachfrage des Marktes bezüglich des zweidimensionalen Materialtransports ist unglaublich groß, da es noch keine vergleichbare Lösung hierfür gibt.

Vielen Dank für das Interview.

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