
Hallo Benjamin, vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst ! Stell dich unseren Leser:innen doch mal kurz vor – wer bist du, und was machst du bei AUDAVIS?
Mein Name ist Benjamin Aunkofer, ich bin KI-Experte und seit 2014 erst Selbständiger, dann Unternehmer und habe gemeinsam mit meinen Mitgründern Otrek Wilke und Philipp Roebruck im Jahr 2023 die AUDAVIS GmbH gegründet.

Vielleicht möchtest du uns Euer Startup, ganz zu Beginn unseres Interviews, kurz vorstellen ?
Die AUDAVIS GmbH entwickelt und betreibt das gleichnamige Produkt AUDAVIS, eine Cloud AI as a Service für die Wirtschaftsprüfung. AUDAVIS richtet sich direkt an das Kerngeschäft der Wirtschaftsprüfer, die Jahresabschlussprüfung, die jedes größere Unternehmen jährlich machen muss.
AUDAVIS richtet sich an externe Prüfungsgesellschaften von der kleinen Mittelstandsprüfung bis hin zu den Big 4 der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Darüber hinaus ist AUDAVIS aber auch direkt für Unternehmen interessant, die sich selbst im Rechnungswesen prüfen möchten.
Als Plattform in der Cloud bietet AUDAVIS den Vorteil, dass Nutzer von AUDAVIS keine Software auf ihrem Computer installieren müssen und dass die Jahresabschlussprüfung direkt nach der Datenbereitstellung aus den Quellsystemen ihrer Mandaten (z. B. aus SAP ERP oder DATEV) völlig automatisch mit allen relevanten Prüfungshandlungen zwischen Haupt- und Nebenbüchern stattfindet. Und auch darüber hinaus gibt es viele Analyseverfahren, die über die verpflichtenden Teile der Prüfung mehrwert-reiche Informationen liefern.
Welches Problem wollt ihr mit AUDAVIS lösen?
Die Wirtschaftsprüfung selbst wird oft missverstanden, denn sie prüft nicht die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens, sondern die ordentliche Buchführung und Risiken, die sich aus den Finanzdaten ergeben. Dies hat einen hohen gesellschaftlichen Nutzen, denn Unternehmen ab einer bestimmten Größe haben viele Stakeholder, die sich auf die ordentliche Buchführung und finanzielle Verlässlichkeit verlassen müssen. Das sind Lieferanten, die an das jeweilige Unternehmen liefern, Kunden, Mitarbeiter und natürlich der Staat.
Die Wirtschaftsprüfung setzt traditionell auf die Prüfung über Stichproben aus Daten. Unsere Geschäftswelt wird jedoch immer komplexer, da es immer mehr Transaktionen gibt, immer mehr Geschäftsmodelle und auch Buchungsmuster, die auf Betrug oder Nachlässigkeit im Finanzwesen hindeuten.
AUDAVIS analysiert alle Buchungen ohne Ausnahme und lernt als KI-System selbst dazu, relevante Muster zu erkennen. Damit wird erhöht die Prüfungstiefe deutlich erhöht.
Hinzu kommt der Umstand, dass der Fachkräftemangel in der Wirtschaftsprüfung sehr real ist, die Überalterung in dieser Berufsgruppe ist dokumentiert und im Tagesgeschäft sehr sichtbar, da Prüfungsgesellschaften bereits Mandate abweisen müssen.
Mit AUDAVIS haben wir bei den bereits nutzenden Prüfungsgesellschaften Effizienzgewinne von bis zu 60% feststellen können. Diese ergibt sich insbesondere durch Zeitersparnisse bei der Datenaufbereitung und bei der Durchführung und Feinjustierung von Prüfungshandlungen sowie der Darstellung der Ergebnisse.
Wie würdest du deiner Großmutter AUDAVIS erklären ?
Wir bieten Wirtschaftsprüfern eine KI-Plattform, die Mandantendaten direkt in eine Abschlussprüfung überführt und analysiert.

Wie funktioniert euer Geschäftsmodell ?
AUDAVIS ist eine Software as a Service (SaaS) und das Geschäftsmodell läuft grundsätzlich über die Bepreisung von Nutzern auf der Plattform. Genauer gesagt, ist AUDAVIS ein AI as a Service (AIaaS), eine Unterform des SaaS, denn AUDAVIS lernt, den menschlichen Prüfer und seine Interpretation von Buchungsmustern verstehen zu lernen und wird dadurch selbst zum Artificial Auditor, der dem menschlichen Prüfer eine Co-Pilotierung während des ganzen Prüfungsprozesses bietet.
Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?
Es gab Momente, als wir drei Gründer teilweise Aufgaben doppelt gemacht haben, keine allzu klare Trennung zwischen unseren Aufgaben hatten. Da gab es auch mal Frustration. Heute verstehen wir uns nahezu blind. Der Eine weiß, was der Andere macht, ohne alles überkommunizieren zu müssen.
Was habt ihr daraus gelernt ?
Wir müssen als Team gut funktionieren, da darf man sein eigenes Ego gerne mal zurückstecken. Wir wissen, dass wir alle was können, da muss sich keiner beweisen. Wichtig ist, dass wir gezielt in der Produkt-Entwicklung und -Vermarktung sind. Wir haben gelernt, den Fokus richtig zu setzen.
Und wo habt ihr bisher alles richtig gemacht ?
Wir haben bis jetzt die richtigen Mitarbeiter gefunden. Sicherlich profitieren wir da auch schon von Erfahrung. Unser Mitgründer Philipp hat bereits mehrere Mitarbeiter als Manager bei der KPMG Deutschland verantwortet und ich habe seit 2018 eigenes Personal für meine ersten KI-Unternehmen, DATANOMIQ, beschäftigt. Da lief nicht immer alles glatt. Aber für AUDAVIS haben wir ein gutes Händchen gehabt und sind sehr dankbar für die gute Mitarbeit.
Was ist euer nächstes großes Ziel ?
Während wir gerade den Markt Deutschland, Österreich und die Schweiz für uns erobern, wird unser nächstes Ziel sicherlich die weitere Internationalisierung werden. Vermutlich werden wir hierfür weiteres Wachstumskapital benötigen.
Vielleicht noch ein paar persönliche Fragen – Stell dir vor, du würdest heute nochmal ganz von vorn starten. Was würdest du anders machen?
Da AUDAVIS nicht meine erste Gründung ist, würde ich die Antwort auf meine erste Gründung beziehen. Hier würde ich früher Vertriebspartner und Assistenz bei der Buchhaltung suchen. Viel Zeit verschenkt, beim Versuch alles selbst machen zu wollen.
Erinnerst du dich noch an den Moment, in dem du entschieden hast: Ich gründe ein Unternehmen!? Was war der Auslöser?
Als kreativer Mensch konnte ich nur so meine eigenen Ideen verwirklichen. Da steckte auch stets etwas Naivität drin, aber ganz ohne Naivität kann man ein Unternehmen meines Erachtens nicht gründen.
Jede Gründung bringt Herausforderungen. Was war deine größte bisher – und wie hast du sie gelöst?
Die Beschaffung von finanziellen Mitteln war sicherlich die größte Herausforderung. Auch und gerade Investoren steigen erst ein, wenn das Unternehmen und das Produkt im Kern schon da sind. Meine Mitgründer mussten sich finanziell einschränkten in ihrem Gehalt, ich musste viel meines zuvor erwirtschafteten und hoch-versteuerten Einkommen einbringen, um vorfinanzieren zu können. Da bleibt mir kein Zweifel, dass das die größte Herausforderung für den Start von AUDAVIS war.
Welche Entscheidung hat sich im Nachhinein als goldrichtig herausgestellt?
Nach ca. einem Jahr der eigenen Vorfinanzierung, stiegen Investoren – mit dem High-Tech Gründer Fonds (HTGF) als Lead-Investor – ein. Wir hatten Zweifel, aber das war die richtige Entscheidung und die Grundlage dafür, dass wir gute Mitarbeiter über uns Gründer hinaus einstellen konnten.
Was war der beste Ratschlag, den du je bekommen hast – und von wem?
Gründe erst, wenn etwas Arbeitserfahrung deine geschäftlichen Sinne geschärft hat. Kam von einem anderen erfolgreichen Unternehmer und er hatte Recht.
Welchen Rat würdest du anderen Gründer:innen mit auf den Weg geben – besonders jenen, die noch zögern?
Wichtig ist, bereits erste Arbeitserfahrung in dem Feld zu sammeln, in welchem die Gründung erfolgen soll. Blind gründen geht meistens schief. Man kann in einer Festanstellung starten, sich dann selbstständig machen und dann irgendwann Unternehmer werden.
Der Unterschied zwischen einer Selbstständigkeit und Unternehmertum ist der, dass man als Selbstständiger seine eigene Arbeitsleistung verkauft, vielleicht auch die eines kleinen Teams. Als Unternehmer braucht man mehr Hebelwirkung und mehr Startkapital, setzt hier jedoch vielfältige Ressourcen für ein Vorhaben – eine Unternehmung – ein.
Was ist eine harte Wahrheit über Unternehmertum, über die zu wenig gesprochen wird?
Unternehmertum ist etwas, was wir in Deutschland besser mehr als weniger benötigen. Unternehmertum schafft Arbeitsplätze und wir brauchen auch neue erfolgreiche Unternehmen als nur Siemens, BMW und SAP. Noch recht junge Unternehmen wie Zalando, wie Celonis oder Personio sind tolle Beispiele. Die Herausforderungen an Unternehmer sind aber enorm und wer eine Bürokratie-Allergie hat, dem macht es der Standort Deutschland nicht immer leicht.
Welche Bücher, Podcasts oder Menschen inspirieren dich – und warum?
Podcasts mit Datenbezug, wie Unf*ck your Data mit Dr. Christian Krug gefallen mir, der Podcast „Wirtschaftsprüfung kann mehr“ von Prof. Kai-Uwe Marten von der Uni Ulm helfen für die Sache von AUDAVIS und kann ich daher nur empfehlen 🙂
Was war für dich ein echter „Gamechanger“ – ob Tool, Team oder Mindset?
Generell ist es KI. Was wir heute mit KI bewirken, da haben wir früher Jahr gebraucht, was heute in wenigen Monaten passiert. Wichtiger ist aber das richtige Mindset zur Fehlerkultur. Wer viel macht, darf auch so einige Fehler machen. Aber dazu gehört auch, Fehler schnell einzugestehen und zu korrigieren. Wer aufhört besser zu werden, hat nämlich aufgehört gut zu sein.
Was bedeutet für dich Erfolg – ganz persönlich?
Nachhaltiges Wachstum ist echter Erfolg.
Wenn du anderen Gründern oder Unternehmer:innen aus Bayern eine Botschaft mitgeben könntest – welche wäre das?
Ihr gründet im besten Bundesland Deutschlands.
Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mit uns so offen zu sprechen.
Sehr gerne. Aber eines noch: Unternehmertum ist eine Lebenseinstellung und langfristig für mich persönlich auf Grund der Schaffenskraft eine große Erfüllung.